Auktionsformen und Verkaufsprozesse: Ein Überblick über den Schweizer Kunstmarkt

Auktionsformen: Mechanismen der Preisfindung

Die Schweizer Plattform swisspeers nutzt für ihre Kreditvermittlung einen Auktionsmechanismus. Grundsätzlich existieren sieben verschiedene Auktionsformen, die sich in ihrer Dynamik unterscheiden:

Auktionsformen und Verkaufsprozesse: Ein Überblick über den Schweizer Kunstmarkt
© MSeses (CC BY-SA 3.0)

Die klassischen Verfahren

Die englische Auktion ist die bekannteste Form, bei der Bieter immer höhere Gebote abgeben und der Meistbietende den Zuschlag erhält. Die Gebote können offen oder verdeckt erfolgen. Bei der zweiseitigen Auktion – wie an der Börse – können sowohl Käufer (Briefkurs) als auch Verkäufer (Geldkurs) Preise ändern, was einen schnelleren Abschluss ermöglicht.

Die holländische Auktion arbeitet mit sinkenden Preisen, bis ein Bieter einsteigt. Sie wurde erstmals auf den holländischen Blumenmärkten eingesetzt. Umgekehrt funktioniert die japanische Auktion: Der Auktionator ruft steigende Preise aus, und Bieter müssen ihr Interesse bekunden oder aussteigen, bis nur einer übrig bleibt. Dieses System wird typischerweise auf japanischen Fischmärkten verwendet.

Besondere Varianten

Bei Auftragsauktionen schreiben potenzielle Käufer ihre Wünsche aus – beispielsweise bei der Schweizer Plattform HausHeld.ch für Handwerkerleistungen – und Anbieter kontern mit Preisen. Die Vickrey-Auktion (benannt nach Nobelpreisträger William Vickrey) ist eine verdeckte Zweitpreisauktion: Der Höchstbietende zahlt nicht seinen eigenen Preis, sondern den nächsttieferen gebotenen Betrag. Die amerikanische Auktion schliesslich findet vor allem bei Wohltätigkeitsanlässen Anwendung; dabei zahlt jeder Mitbietende die Differenz zwischen seinem und dem vorherigen Gebot.

Das swisspeers-Modell

Swisspeers setzt auf eine verdeckte englische Auktion mit nachgelagerter Gleichbehandlung: Investoren bieten für Kreditprojekte mit Betrag und Zinssatz. Alle Investoren erhalten am Schluss denselben Zins – nämlich den des letzten Gebots, das gerade noch benötigt wird, um den Kreditbetrag aufzufüllen. Dies verhindert „Riccardo-Effekte“ mit letztminütigem Bieterwettkampf und ermöglicht taktisch tiefe Gebote bei attraktiven Projekten.

Vom Einliefern bis zur Auszahlung: Der Verkaufsprozess

Das Versteigern von Kunstobjekten folgt bei Schweizer Auktionshäusern einem bewährtem Ablauf, der sich in mehrere Phasen unterteilt.

Kontakt und Schätzung

Der Prozess beginnt mit der Kontaktaufnahme per E-Mail oder WhatsApp. Viele Häuser wie das Auktionshaus Zofingen bieten unverbindliche Erstbeurteilungen auf Basis von Fotos an. Bei Koller Auktionen erfolgt die Besichtigung der Kunstwerke in den Räumlichkeiten oder beim Verkäufer – unverbindlich und kostenlos. Anschliessend erhalten Verkäufer detaillierte Schätzungsvorschläge und Verkaufsofferten.

Transport und Vertrag

Nach der Zusage wird der Transport ins Auktionshaus organisiert. Bei internationalen Einlieferungen fallen für Verkäufer keine Schweizer Steuern an. Der Verkäufer erhält eine Einlieferungsbestätigung mit Objektliste und anschliessend einen Auktionsvertrag mit allen Konditionen. Die Objekte werden für die Präsentation vorbereitet, gegebenenfalls restauriert und professionell fotografiert.

Marketing und Auktionstag

Die Häuser setzen auf internationales Marketing: Kataloge, Ausstellungen im In- und Ausland sowie Online-Präsenz. Bei Koller werden besondere Werke in Genf, Paris, München, Düsseldorf und Hong Kong vorgestellt. Die Objekte werden im Auktionshaus ausgestellt und online präsentiert. Am Auktionstag können Bieter persönlich, online per Livestream, telefonisch oder schriftlich mitbieten.

Auszahlung

Bei erfolgreichem Verkauf erfolgt die Auszahlung innerhalb von sechs Wochen abzüglich der vereinbarten Kommission. Einzelne Häuser ermöglichen in bestimmten Fällen auch Vorauszahlungen.

Schweizer Auktionshäuser im Porträt

Die Schweiz verfügt über eine hohe Dichte renommierter Auktionshäuser mit internationaler Ausrichtung.

Koller Auktionen

Mit über 60 Jahren Erfahrung und einem erfahrenen Expertenteam bietet Koller Verkaufsmöglichkeiten in mehr als zwanzig Sammelgebieten – von Alten Meistern über Impressionismus bis zu Post-War & Contemporary, Schmuck, Uhren und Asiatica. 70 Prozent der Käufer bedeutender Kunstwerke sind international. Das Haus verfügt über Vertretungen in Genf, München, Düsseldorf, Italien und Peking.

Weitere Spezialisten

Germann Auktionen in Zürich konzentriert sich auf Moderne und Zeitgenössische Kunst. Die nächste Auktion findet vom 12. bis 17. Juni 2026 statt, mit Versteigerung am 22. Juni 2026. Dobiaschofsky in Bern veranstaltet Herbstauktionen (5.–8. November 2025) und Frühjahrsauktionen (6.–9. Mai 2026) mit Expertentagen in Basel, Lugano, Lausanne und Neuenburg.

Das Auktionshaus Schuler in Zürich steht für Qualität und verantwortungsvollen Umgang mit Kulturgut. Die nächste Auktion ist für März 2026 terminiert (Einlieferungsschluss: 6. Februar 2026; Onlinekatalog ab 8. März 2026; Auktion: 18.–24. März 2026). Das Auktionshaus Zofingen begleitet Verkäufer bei Einzelobjekten, Sammlungen und Nachlässen.

Ergebnislisten und Kataloge

BBW Auktionen bietet einen umfassenden Online-Katalog vergangener Auktionen. Hier dokumentieren sich beispielsweise Ergebnisse wie ein Werk von Pierre-Auguste Renoir („Baigneuse, 1876“), das für CHF 838'626 verkauft wurde, oder ein Giovanni Segantini („Il reddito del pastore“) für CHF 902'966.

Preise und Marktsphären

Der Schweizer Kunstmarkt zeichnet sich durch hohe Preisniveaus aus. Bei Koller erzielten Werke von Vincent van Gogh CHF 6,58 Millionen, Ferdinand Hodler CHF 7,44 Millionen und Alberto Giacometti CHF 3,01 Millionen. Auch für Schmuck und Uhren werden Höchstpreise erzielt: Ein ungefasster Brillant brachte CHF 882'500, eine Patek Philippe CHF 500'000.

Im Bereich der Alten Meister wurden bei Koller Werke von Ambrosius Bosschaert d. Ä. für CHF 5,77 Millionen und Pieter Brueghel d. J. für CHF 1,62 Millionen versteigert. Diese Ergebnisse zeigen, dass der Schweizer Markt mit allen wichtigen Kunstmarktzentren weltweit konkurrieren kann, unterstützt durch den liberalen Rechtsrahmen ohne Folgerecht für zeitgenössische Kunst und ohne Importsteuer für ausländische Verkäufer.